Der gläserne Künstler – audiolith und Supershirt ziehen den Künstler aus #rp12

Quick and Dirty – so wie die Session auf Stage 6!

Henry Witt ist Sänger der Band Supershirt und mit seinem Bandkollegen Hendrik Menzel macht er sich “nackig”. Sie sind beim Label audiolith und Inhaber Artur Schock sitzt auch mit auf der Bühne. Wovon lebt aber nun der Künstler: Tonträger, Jobs, Lizenzen, Gagen, Digitalverkäufe, GEMA (= der “Schinken” des Geldschweins) Merchandise, Mutti, KSK

Die Band ist seit 5 Jahren existent und sie leben davon, aber wie funktioniert das?

Audiolith bietet das 360 Grad-Modell = alles und noch viel mehr, Tourbooking, Alben, Verlag und Merch (Produktion, Shop, etc.). Außerdem gibt es “die Firma” – die Supershirt GbR, die nicht wahnsinnig erfolgreich ist, aber regelmäßig Platten herausbringt, ganzes Jahr auf Tour ist, auch mal schlechtbesuchte Konzerte spielt, aber insgesamt 12.000 Facebook-Freunde und Millionen von Plays auf Youtube.

Henry verdient im Jahr durchschnittlich xx.xxx,- Euro (niedriger 5-stelliger Betrag) – aber auch da sind auch durchlaufende Posten dabei, wie z.B. Freundin überweist Nebenkosten etc., es sind also keine wirklichen Einnahmen. Die Freilegung der Kosten ist lustig und spannend – so fuhr Henry via Pauschalreise in die Türkei, die Schwiegereltern zahlten die Hälfte, fuhren aber auch mit. Shit happens…

Die Graphik des Kontosaldenverlauf hingegen ist wiederum sehr spannend – Künstler erhält eher unregelmäßig Geld, das Bild des “armen Künstlers” nimmt Konturen an. ”Gema ist der Weihnachtsmann des Künstlers” – kleine Löcher vor der Gema-Auszahlung, Henry weiß, wann die Gema-Zahlungen kommen und reißt sich ins Minus, denn er weiß, dass das Geld kommt. :D

Sozialer Puffer der Band GbR ist übrigens bei 4.000 Euro, der für die 3 immer da sein muss für den Notfall. 

Alle gezeigten Daten beziehen sich auf April 11 – April 12 und ist ein typisches Jahr für die Band, recht repräsentativ, neue Platte, Tour, etc.

Die Band hat dem Künstler Henry x.xxx,- Euro (hoher 4-stelliger Betrag) ausgezahlt, danach kommt schon die GEMA mit knapp der Hälfte des Band-Betrages (mittlerer 4-stelliger Betrag). Daneben hat er noch einen/mehrere Nebenjobs und dann kommt die Freundin (Gas, Telefon, etc – läuft auf Henrys Namen), Mutti mit Geburtstag und Weihnachten, Verkäufe bei eBay/PayPal-Überweisungen.

Das Ganze als Tortengraphik: Hälfte der Einnahmen kommen rein aus der Band, GEMA 1/4 – künstlerische Tätigkeit erzeugt dann schon 3/4 der Einnahmen. Nebenjob beläuft sich eher auf 25 Stunden im Monat, ist ein besserer Studentenjob.

Noch mal zum Themea GEMA: das Label zahlt auch in die GEMA, es ist also nur eine Umlage – ca. 1 Euro pro CD wird gezahlt. Egal, ob 1.500 produzierte CDs verkauft werden oder nicht – es muss erstmal 1.500 Euro an die GEMA gezahlt werden, das Geld geht dann auch wieder an die Künstler – fragt man sich, ob man den Zwischenhändler braucht…

Einnahmen der Band: knapp xx.xxx,- Euro im Jahr (mittlerer 5-stelliger Betrag) – davon sind ca. 70% aus Gagen (74 Konzerte letztes Jahr), für 74 Konzerte ist man übrigens ca. 100 Tage unterwegs. Rest ist Merch und Tonträger via Band oder Label.

Die Kosten liegen bei ca. xx.xxx,- Euro (unterer 5-stelliger Betrag), vor allem Spritkosten, Reisekosten, eigenes Auto der Band sowie Booking-Provision (an audiolith), aber auch Merchandise, welches vom Label zum Einkaufspreis an die Band verkauft wird.

Audiolith kassiert 20% der Gagen abzüglich der Fahrtkosten, ist historisch gewachsen und fairer bei kleinen Bands, Booking ist ja auch relativ zeitraubend, schwierig, außerdem noch Promotion, Merch, etc. – ansonsten gilt nach Break Even der typische 60:40-Deal für audiolith. Alle Beträge sind Nettobeträge… eigentlich alles noch viel weniger, also zumindest bei audiolith. ;)

Da die Gagen der Band 7%, Einkauf 19% MWSt. besteuert werden, gibt es oft Rückzahlungen vom Finanzamt – zur Freude der Band! 

Was der Künstler so getan hat… – sehr lustige Übersicht, z.B. “sehr viel Facebook & das Restnetz gefüllt”, 370 Stunden Auto gefahren, viel getrunken, wenig geschlafen… :D
“Das Internet schreibt er gerne voll.” 

Das arme Label… Vertrieb und Handel sitzt im Nacken “nach oben buckeln und nach unten treten” – ist auch hier so wie in jeder anderen Branche ;)

Harte Zahlen:

  • 1.800 Tonträger Vinyl/CD verkauft
  • 6.000 mp3-Downloads, 600 Album-Bundles Download
  • 1.500 produzierte CDs und Verkauf bringen ca. 3.000 Euro Gewinn, die durch Label und Band geteilt wird… ist nicht viel. 

Call to Action! ”Kauft Alben, damit wir schöne Videos produzieren können” – das kostet immer Schweinegeld, und oft drehen Freunde zum Freundschaftspreis…

Dann geben sie eine Vertriebsabrechnung digital, Verträge etc. rum – aber nur nicht fotografieren! Galt komplett für den Vortrag, sind halt sensible Daten. 

 

Edit (04.05.2012): wurde von der Künstlern gebeten, die sensiblen Daten zu “schwärzen”, weil es eben sensible Daten sind. Dem komme ich gerne nach, da ich nur von Ton- und Filmaufnahmen ausging, die nicht gemacht werden durften.