Social TV und das @ZDF auf der #rp12

Social TV – ein Thema, welches definitiv im Kommen ist. Darum nach diversen Sessions auf diversen Barcamps (@miss_assmann ist da sehr zu empfehlen) hatte auch die re:publica 2012 am 2. Tag eine solche Session im Programm – doch leider hielt die Session nicht das, was sie versprach. Zum Einen war eine der ursrpünglichen Sprecherinnen kurzfristig abgesprungen, zum Anderen wurde es ein Sponsoring-Vortrag von nacamar, der keine Überblick gab, sondern gefühlt nur Werbung für SmartTVs und nacamar machte. Wo war der Rundblick auf Social TV, den Second Screen, einfach das Ganze? Warum versuchte man immer noch HbbTV und Smart TVs zu propagandieren? Die sog. “Netzgemeinde” (ich mag dieses Wort so gar nicht, aber im Saal war sich via Twitter ein Großteil einig, so dass man ihn mal anbringen kann) nutzt doch schon ausführlich Facebook und vor allem Twitter, um Sendungen aktiv mitzuverfolgen, mitzuteilen und sich mit anderen auszutauschen – und das nicht erst seit gestern. Apps wie Couchfunk unterstützen und bündeln Aktivitäten zu Sendungen, vieles läuft einfach über Hashtags in der Timeline. Das Paradebeispiel ist dabei #Tatort – ein lieb gewonnenes Ritual der Tatortseher am Sonntag Abend. 

Such Sendungen die “The Voice of” sind auch Fernsehsender endlich in Deutschland soweit, aktiv Tweets und Facebookstatusmeldungen aktiv einzubinden. In den USA ist man schon einen Schritt weiter – da wird Twitter über Hashtags sogar zum Voting herangezogen, um bei Castingshows die Kandidaten zu pushen oder auszusieben. 

Solche Beispiele werden vom Redner aber nur auf 2 Folien kurz angeschnitten – zumindest Couchfunk wird angeschnitten, die anderen Second Screen Apps sind mir eher unbekannt (z.B. Into Now, ZeeBox, BeyondTV), die auch in Deutschland stark vertretenden Apps und Communitys GetGlue und Miso werden gar nicht erwähnt, der deutsche Klon waydoo auch nicht. Aber es wird auf die hohe Bedeutung von Social Networks eingegangen und dass man Dank API zahlreiche Verknüpfungen hat, um  lineares Fernsehen mit der Internetnutzung zusammenzuführen.

HbbTV wäre dem Redner nach der logische Schluss, nun lineares Fernsehen mit nichtlinearen Programmen zusammenzuführen, auf dem Screen. Sein Totschlagargument: HbbTV ist mehr als Internet auf dem Fernseher. Auch da gibt es Apps, um zu sehen, wann z.B. Freunde die gleiche Sendung sehen – nur doof, dass wohl wieder jeder Fernsehanbieter unterschiedliche Apps anbieten wird und man Glück haben muss, da mal einen Freund zu finden. Via Twitter und Hashtag einer Sendung, und sei es “Bauer sucht Frau” #bsf, findet man sogar noch neue Leute. Darauf wird aber nicht eingegangen. Warum auch…

Er stellt ein Social TV-Framework vor, eine kinowelt.tv-Kooperation, Anbindung an Facebook – nach 10 min verlassen die Ersten in größerem Rahmen den Saal. Und dann der Hammer: Warum sollte man HbbTV nutzen? Man mache ja angeblich beim Fußball sehen mit Freunden nicht Facebook auf, um da zu schreiben… – doch, auf meinem Tablet, Smartphone oder Rechner, denn da stört es meine Freunde beim Fußball sehen, im Gegensatz zu seinem Vorschlag, doch die HbbTV-App zu nutzen, die sich ja über das Spiel legt. Ist logisch, oder? Nicht.

Von da an hab ich eher auf Durchzug geschalten. Es war Marketing galore und trotzdem konnte ich mich nicht so recht entscheiden, den Saal zu verlassen. Die Diskussion wird dann noch mal spannend. Es gibt doch tatsächlich SmartTV-User und diese schätzen die Mediatheken auf dem Screen. Ein Großteil ist aber doch ein ähnlicher Nutzer wie ich – Fernsehen = 1. Screen, Smartphone/Tablet/Rechner = 2. Screen und läuft nebenbei mit. 

Und dass wir kein Hulu bekommen – tja, wer hätte es gedacht – daran ist der deutsche Gesetzgeber Schuld. ProSiebenSat.1 ist am Kartellamt gescheitert und der Versuch von ARD/ZDF hat auch erwartungsgemäß wenig Chancen… Schade. Man könnte aus allem so viel mehr machen, so weit vorne mit dabei sein. 

Mein Fazit aus der Session: beim Social Media Club in Hamburg werde ich mit meinen Kollegen das Thema anders angehen und aufziehen und freue mich, Stephan Röbbeln, Frank Barth (Couchfunk), Michael Umlandt, Marco Bereth (@ZDF), Nils Maier (ARTE) und Christine Heller (@punktefrau) am 31.05. in Hamburg zum Thema “Social TV – TV und der 2. Screen” begrüßen zu dürfen. 

 

 

 

Wesentlich entspannter und informativer als bei “Social TV” gestaltete das ZDF seinen Stuhlkreis auf der re:publica. 

Mit einem ironischen “Hallo Netzgemeinde” wurden wir begrüßt sowie “Willkommen beim #ZDFstuhlkreis. In guter alter re:publica-Tradition ohne Internet, daher gibt es keine Twitterwall” und das Konzept des Hashtags #ZDFstuhlkreis ging leider etwas unter.

Doch das tat der Stimmung keinen Abbruch und uns wurden erstmal “Zappelbilder” von ZDFlogin vorgespielt.

Die zentralen Fragestellungen zu Beginn der Session waren: Bei der Konvergenz von Internet und Fernsehen – wie aktiv ist das ZDF eigentlich? Wie ist das ZDF im Netz aufgestellt? Was ist der Mehrwert für den öffentlich-rechtlichen Sender? 

Michael Umlandt ist das lebende Beispiel für die Aktivität des ZDFs. Wer die Geschichte nicht kennt, solle doch – in guter Internettradition verlinkt man ja untereinander – bitte Gutjahr und dessen Bericht von der letztjährigen re:publica nachlesen, einfach Twittermärchen suchen (okay, ich verlinke es). Michael ist aktiv für das ZDF auf Twitter, Facebook und hat auch Google+ Hangouts organisiert, so zum Beispiel in der ZDF Sportschau.

Übrigens wurde nun auch die Website des ZDFs am Wochenende gerelauncht ebenso heute.de – mit neuen Funktionalität und auf die Bedürfnisse der Leserschaft angepasst.

Außerdem kommt später auch noch Lucia zum Panel hinzu. Sie ist eine sogenannte Schnittstellenredakteurin. Sie ist also zum Teil in der Onlineredaktion, aber auch zum Teil in einer klassischen Fernsehredaktion, wie z.B. “Das kleine Fernsehspiel”. Dies sei wichtig, um Neues in die Tiefen des großen ZDFs zu tragen. 

Dann kommt der richtig lustige Teil – Michael liest sehr böse Tweets vor. Zwar völlig aus dem Zusammenhang gerissen, geben sie einen Ausblick, womit auch das ZDF sich rumschlagen muss. Michael hofft, dass die Twitterer nicht Anwesen sind, betont aber, dass es sich nur um einen kleinen Teil der Tweets an das ZDF handelt, die so geschrieben sind. Und er ist froh, dass er mit Twitter einiges abfangen kann, damit die Kollegen nicht am Telefon beschimpft werden.

Das eigentliche Anliegen des ZDFs ist aber Service und Fragen zum Programm beantworten. Aber was erwartet sich das Publikum vom Sender in Social Media? Das Feedback wird auf jeden Fall an die Redaktionen weitergegeben. Mitbestimmung beim Programm via Voting wird z.B. schon bei ZDFNeo umgesetzt. Es ist ein Pilotprojekt, aber es ist ein Anfang! Es wäre bestimmt spannend, wie das beim ZDF wäre – ob ARTE+ oder RTL3 herauskäme!? 

Auch bei den Untertitel nimmt ZDF eine Vorreiterrolle ein. Zwar sind 37% nicht ausreichend, doch es wird! @EinAugenschmaus ist übrigens immer eingeladen, mal in Mainz auf dem Lerchenberg vorbeizuschauen, um sich die Umsetzung mal genauer anzusehen.

Video on demand (ein deutsches Problem) wird thematisiert ebenso Social TV (HbbTV). Doch wird das “Social”-Angebot angenommen? Das ZDF Sportstudio lud zum Google+ Hangout und nur 7 bewarben sich, obwohl zu Peakzeiten 500 Menschen im Stream waren und am nächsten Tag Tausende das on demand Videoangebot nutzten – Sport geht doch immer, aber war die Mitmachhürde zu hoch? Möchten Menschen lieber nur konsumieren als Teil des Ganzen zu sein?

Aus dem Publikum gab es übrigens auch viel Lob, u.a. für “Roche & Böhmermann” sowie ZDF Paradise. 

Fazit: Das ZDF ist cooler als gedacht und das Publikum liebt es.